Der Abschied: Wenn Schulbegleitung loslassen lernt

Lisa Humpert • 26. Januar 2026

Das Paradoxon der Schulbegleitung


Schulbegleitung bedeutet Nähe, Vertrauen und tägliche Unterstützung. Gleichzeitig verfolgt sie das Ziel, eines Tages nicht mehr gebraucht zu werden.

Während Lehrkräfte oder Therapeutinnen oft über längere Zeit begleiten, arbeitet die Schulbegleitung darauf hin, dass das Kind den Schulalltag selbstständig bewältigen kann. Genau das macht den Abschied so besonders. Er ist kein Scheitern, sondern der sichtbare Beweis für Erfolg. Trotzdem ist dieser Moment emotional, herausfordernd und voller Fragen für alle Beteiligten.


In diesem Beitrag beleuchten wir die Bedeutung des Endes einer Begleitung für das Kind und die Beteiligten.

Drei Arten von Abschied


Nicht jeder Abschied verläuft gleich. Manchmal ist er geplant, manchmal kommt er plötzlich.


1. Der geplante Erfolg – das Fading Out

Das Kind hat seine Ziele erreicht. Es ist selbstständiger geworden, kann Konflikte besser lösen und sich in die Klassengemeinschaft einfügen. Die Entscheidung zum Ende der Maßnahme wird gemeinsam getroffen. Es ist ein Moment des Stolzes, aber auch der Unsicherheit: „Schaffe ich das wirklich allein?“


2. Der strukturelle Bruch

Manchmal endet die Begleitung, weil äußere Umstände es erzwingen. Ein Schulwechsel, ein Umzug oder eine Altersgrenze können den Prozess abrupt beenden. Dann fehlt oft die Zeit für einen sanften Übergang, und Beziehungen reißen ab.


3. Der Abbruch

"Wir schaffen Verbindungen, die Zählen" soll nicht nur ein Slogan sein, sondern gelebte Praxis. Wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert, suchen wir das Gespräch. Ein Abbruch ist nie leicht, kann aber zum Wohle des Kindes sein. Er sorgt dafür die Situation zu entlasten und neue Perspektiven zu schaffen. Auch daraus lernen wir als Träger, wie wir Prozesse verbessern und Begleitungen noch passgenauer gestalten können.


Die emotionale Seite des Abschieds


Ein Abschied betrifft immer drei Seiten: das Kind, die Eltern und die Begleitung. Wir achten darauf, dass alle diese Perspektiven Raum bekommen.

Das Kind

Viele Kinder erleben ihre Begleitung als sicheren Anker. Wenn diese Unterstützung endet, entstehen Unsicherheit und Trauer. Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe, das Kind auf diesen Moment vorzubereiten und ihm zu zeigen, dass es gewachsen ist.


Die Eltern

Für Eltern bedeutet der Abschied oft Loslassen und Vertrauen. Wir wissen, wie eng der Austausch in der Begleitung ist und wie viel Sicherheit er gibt. Deshalb begleiten wir auch die Eltern in dieser Phase, beantworten Fragen und schaffen Transparenz.


Die Schulbegleitung

Für unsere Mitarbeitenden ist der Abschied ebenfalls ein intensiver Moment. Nach einer engen Zusammenarbeit fällt es nicht leicht, loszulassen. Deshalb ist es uns wichtig, dass sie sich professionell begleitet fühlen. Egal ob fachlich, emotional oder organisatorisch, unser Team steht allen Mitarbeitenden mit Rat und Tat zur Seite. 


Unser Weg: Das Fading Out als Leitprinzip


Ein guter Abschied ist kein spontanes Ereignis, sondern ein Prozess. Wir beginnen frühzeitig damit, die Begleitung schrittweise in eine Abschlussphase zu überführen. Dieses Vorgehen nennen wir Fading Out.


Schritt 1: Vertrauen aufbauen und Verantwortung übergeben

Das Kind soll erleben, dass es Situationen selbst bewältigen kann. Wir ziehen uns behutsam zurück und greifen nur noch unterstützend ein, wenn es wirklich nötig ist.


Schritt 2: Wissen teilen und Übergänge gestalten

In den letzten Wochen geben wir unser Wissen weiter. Lehrkräfte, Eltern und Mitschüler erfahren, welche Strategien sich bewährt haben. So bleibt das Gelernte lebendig, auch wenn die Begleitung endet.


Schritt 3: Ein bewusster Abschluss

Ein Abschied braucht einen Moment des Innehaltens. Ein Gespräch, ein Foto oder ein kleines Ritual helfen, das Erlebte zu würdigen. Uns ist wichtig, dass das Kind versteht, warum die Begleitung endet, und stolz auf das Erreichte sein kann.


Unsere Verantwortung als Träger


Als Träger tragen wir Verantwortung über den pädagogischen Prozess hinaus. Der Abschied betrifft auch unsere Organisation und unser Team.


Personal und Perspektive

Das Ende einer Begleitung bedeutet nicht zwangsläufig das Ende der Zusammenarbeit. Uns ist wichtig, dass Mitarbeitende frühzeitig Klarheit über ihre nächste Aufgabe haben. Eine neue Begleitung, eine Fortbildung oder eine Übergangsphase sind mögliche Bausteine, die helfen, Sicherheit zu geben.


Abschlussberichte mit Wirkung

Ein gut geschriebener Abschlussbericht ist mehr als eine Formalität. Er ist uns wichtig und zeigt Entwicklung, Erfolg und Perspektive für das begleitete Kind auf. Solche Berichte dokumentieren nicht nur den erreichten Fortschritt, sondern auch unsere Haltung: Wir begleiten mit dem Ziel, Selbstständigkeit zu ermöglichen.


Qualität durch Feedback

Wir führen regelmäßig Abschlussgespräche mit Eltern und Schulen. Die Rückmeldungen, die wir dort erhalten, sind wertvoll für unsere Weiterentwicklung. So stellen wir sicher, dass unsere Arbeit nicht nur endet, sondern Spuren hinterlässt.


Ein Abschied, der stärkt

Ein gelungener Abschied ist der Prüfstein für gute Schulbegleitung. Er zeigt, dass Vertrauen, Entwicklung und Zusammenarbeit funktioniert haben. Wir verstehen den Abschied nicht als Bruch, sondern als Übergang. Wenn Kinder selbstständig werden, Eltern Vertrauen fassen und Mitarbeitende gestärkt in neue Aufgaben gehen, dann haben wir unser Ziel erreicht.


Ein Abschied, der berührt, zeigt, dass die Beziehung gut war. Und genau darum geht es: Kinder stark zu machen und gemeinsam Verantwortung zu tragen. Bis zum letzten Tag und darüber hinaus.


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